Ein spannendes Buch hier vorgestellt, denn wir kommunizieren mehr mit dem Körper, als wir denken. Und dann ist die Frage, welche Sprache sprechen wir wie?

Darüber sprechen ist auch keine Lösung

… zumindest dann, wenn die Affektbilanz nur schwach negativ ausgeprägt ist!  Mit der Ansage: „Du, wir müssen mal reden“, schafft man eine deutlich negativere Affektbilanz (zumindest bei der anderen Person).

Zu dieser Erkenntnis bringt mich das Buch, dass ich, weil es so spannend war, von vorne bis hinten an einem Tag durchgelesen habe. Die Autorin/der Autor plädieren für ein neues Verständnis bzw. ein neues Konzept  von Kommunikation, die das Zusammenspiel von Gehirn, Körper und Geist einbezieht.

Buchrezension: Embodied Communication. Kommunikation beginnt im Körper nicht im Kopf von Maja Storch und Wolfgang Tschacher

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Kommunikation ist ein komplexes System

Die Rede ist hier die Embodied Communication, kurz EC genannt. Nach ihrer Vorstellung und das postulieren Maja Storch und Wolfgang Tschacher in einem aus drei Punkten bestehenden Manifest der EC (S. 163-165), gibt es keine im Voraus bestehende Botschaft in der Kommunikation, sondern diese wird interaktiv hergestellt. Punkt zwei ist die Annahme, dass Kommunikation nicht in einem technischen Sender-Empfänger-Modell funktioniert, sondern ein „offenes System“ ist und es dementsprechend auch keine Kommunikationsrichtung gibt. Und drittens ist zwar die Gestaltung der Kontextbedingungen beeinflussbar, Kommunikation aber i.d.R. nicht kontrollierbar, weil sich Interaktionspartner/innen in komplexen, sozialen Systemen selber organisieren.

Die Theorie und Idee der „Embodied Communication“ (EC) beinhaltet, dass Kommunikation verkörpert ist, was sich in körperlichen Ausdrücken (bei) der Kommunikation zeigt (Körpersprache), sowie auch in der körperlichen Auswirkung von Kommunikation (Affekte als „grundlegende Gefühlsprozesse“ S. 36)

In einem theoretischen Teil des Buches entwickeln  Maja Storch und Wolfgang Tschacher das Konzept der Affektbilanz, bei dem immer sowohl negative wie auch positive Affekte von Gesprochenem eingeschätzt werden. Daraus ergibt sich eine Bilanz und die Erfordernis zu handeln —  oder auch nicht, wie es beispielsweise bei einer schwach negativen Affektbilanz zu handhaben ist.

Bei  gelungenen Kommunikation geht es, und das ist für mich theoretisch neu (gewusst habe ich es ja schon immer!), nicht um das Dechiffrieren von Botschaften sondern um die Herstellung von Synchronie, also die Synchronisation von Kommunikation.

Wie das praktisch geht wird anhand einer Pizza-Metapher, die in einer Pizza-Analyse und eines AAO-Geschenks methodisch erklärt. Im abschließenden Teil des Buches findet sich ein Workshop, in dem vorher erläuterte Methoden als Handlungsanleitung prägnant erklärt sind.

Meiner Erfahrung nach wird „Kommunikation“ immer dann interessant, wenn sie nicht funktioniert. Deswegen besonders für jene interessant, die ein neues Verständnis von Kommunikation erlangen möchten. Besonders für Trainer und Coaches ist das ein Buch mit interessanten Ansätzen für die eigene Arbeit.

Die Einbeziehung von körperlichen Auswirkungen von Kommunikation in ein Kommunikationsmodell ist wesentlich und interessant – ich bin gespannt noch mehr davon zu lesen!

Die Affektbilanz ist überall

Obwohl ich bei der Lektüre überwiegend eine positive Affektbilanz verzeichnen konnte, möchte ich die schwach negative Affektbilanz hier notieren (auf die Gefahr hin, zu meckern ;-):

Abschließend zwei Ungenauigkeiten die mir aufgefallen sind, die aber das Konzept der EC nicht schmälern – und die Idee dahinter, die ich immer noch für wertvoll halte:

Erstes ist es der Begriff des „Geistes“, der neben Körper und Gehirn an der Kommunikation beteiligt ist, von dem ich aber gar nicht so genau weiß was damit gemeint ist.  Vielleicht gehört das auch zum Allgemeinwissen, ich selber habe gerne eine Definition wie der Begriff im Zusammenhang mit EC gemeint ist, einfach weil es verschiedene Konzepte von „Geist“ gibt- naja, habe mich im Internet  schlau gemacht und bin bei Descartes hängengeblieben – auch gut.

Zweitens: Für das Modell der Affektbilanz habe ich viel Sympathie, doch ein bisschen irritiert es mich, einfach weil ich mit einer Skala arbeite, deren Maßeinheiten ich nicht kenne (ja, das ist die Wissenschaftlerin in mir). Da es sich um ein Modell handelt, wobei ich Auswirkungen von Kommunikation einschätzen muss, kann ich damit auch mit leben. Allerdings kommt mir das sehr willkürlich vor und mir fehlt so etwas wie das eigene Kalibrieren auf dieser Skala.

Ich freue mich auf weitere Erfahrungen und Entwicklungen mit „Embodied Communication“ (EC) von Maja Storch und Wolfgang Tschacher  – UND: Ich wünsche mir mehr!

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